Sr. Miriam ist eine Klarissin. Sie lebt im Kloster S. Girolamo in Gubbio. Am Ende eines langen Tages, an dem in der Hitze Umbriens siebenundzwanzig Kilometer zu Fuß zurückgelegt worden sind, wartet auf uns noch ein steiler Umweg, der zum Kloster am Berg führt. „Wozu noch diese Mühe?“ lautet immer wieder die jammernde Frage. „Um jemanden zu besuchen, der nicht zu dir kommen will!“, ist die Antwort. Sr. Miriam lebt in der Klausur, und alle sind etwas erstaunt, als wir das Parlatorium des kleinen Steinklosters betreten. Hinter einem Gitter kann man das fröhliche Lächeln und die ruhige Haltung einer jungen Frau bewundern, die uns betrachtet, während wir versuchen in dem kleinen Zimmer Platz zu finden. Einige sitzen auf dem Boden, einige auf der Treppe, nur wenige haben einen Stuhl. Mit den Händen das Gitter haltend, nach einer kurzen Stille, stellt sie die erste Frage: „Was sucht ihr?“. Seltsam, diese einfache Frage kann von niemandem beantwortet werden. Langsam entsteht ein Gespräch, unsererseits kommen viele Fragen: Wieso stehen Sie hinter einem Gitter? Was machen Sie den ganzen Tag? Was ist für Sie das Gebet? Dürfen Sie das Kloster manchmal verlassen? Wovon leben Sie? Wie viel Schwestern wohnen in dem Kloster? Haben Sie einen Fernseher? Können Sie Freunde und Verwandte sehen? Haben Sie Ferien? Wie haben Sie sich für das Kloster entschieden? Vermissen Sie etwas? Dürfen Sie reisen? …
Keine einzige Frage bleibt unbeantwortet, mit einfachen Worten kann sie alles ganz sachlich angehen, aber das wesentliche, das was eigentlich beeindruckend ist, ist nicht in ihren Worten zu finden und ist auch nicht in Sätzen verpackt mitzunehmen! Beeindruckend sind ihre glücklichen Augen! Da entdecke ich die Antwort auf die Frage, die sie uns am Anfang gestellt hat. Die Antwort steht vor mir. „Was sucht ihr?“ „Wir suchen nach Glück“ und diese kleine Schwester ist glücklich.
Unter dem folgenden Link ist das aktuelle Mini-Dornbach aktuell als pdf abrufbar:
Mini-Dornbach aktuell Herbst 2010
EINLADUNG ZU DEN DORNBACHER SCHÖPFUNGSTAGEN
Freitag, 17.9.2010 bis Sonntag, 19.9.2010
Freitag, 17. September 2010
10.00 Eröffnung unter dem Ehrenschutz der Hernalser Bezirksvorsteherin, Dr. Ilse Pfeffer , und dem Mitwirken der VS Knollgasse | Kurz-Film „Ökologischer Fußabdruck“ | Besuch des Regenwaldhauses | Spielestationen und Energiequiz für die Kinder.
15.00 „Alte, Kranke, Pflegebedürftige, Sterbende“; Vortrag Prim. Dr. Preitschopf (Schutzgut Mensch)
16.00 „Spielsachen-fair-machen“, Grete Mikula (PowerPoint-Präsentation)
16.30 „Medizin mit Qualität und Seele“; Vortrag GF Mag. Martin Steiner (KH Göttlicher Heiland)
18.00 „Meine Erfahrung mit der Pelletsheizung“, Dr. Roger Wüst (PowerPoint-Präsentation)
18.30 Kurzfilm „Ökologischer Fußabdruck“
19.30 „Zahlen“, Vortrag von Ing. Rudolf Auer (Club Dornbach-Neuwaldegg)
Samstag: 18. September 2010
10.00 „Unser Baby – Windeln, Schnuller, Fläschchen“, Grete Mikula (PowerPoint-Präsentation)
10.30 „In Geborgenheit geboren“;?Vortrag von Dipl.Hebamme Fr. Uschi Reim-Hofer, Leiterin des Hauses Lena,
anschl. Kurzpräsentation des Buches „Teenager werden Eltern“ von U. Reim-Hofer & Prim. Dr. A. Mayer
11.15 „Die Ernährung unseres Kleinkindes“, Mag. Michaela Grobauer (PowerPoint-Präsentation)
11.30 „Was sagt mir die Kennzeichnung von Lebensmitteln“; Vortrag von D.I. Maria Wirthmann-Portele
14.00 Kurzfilm „Ökologischer Fußabdruck“
15.00 „Wald schützen – Wald nützen“; Univ.Prof.D.I. Dr. Hubert Sterba
16.30 „Chemie im Haushalt“, Mag. Friederike Weselka (PowerPoint-Präsentation)
17.00 „Clean I. T.“, Vortrag Martina Seehofer (Südwind)
18.30 „Littering – achtloses Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfall“; Grete Mikula (PowerPoint-Präsentation)
19.30 „Die Schöpfungsgeschichte in den Weltreligionen“; Dr. Roger Wüst (im Rahmen der Ökumenerunde)
12.00 Freundschaftliches Ländermatch „Dornbach : Makedonien“ auf der Marswiese (Leitung Gerhard Navara)
Sonntag, 19. September 2010
09.30 Kinderkirche im Pfarrzentrum
09.30 Hl. Messe mit Gastprediger zum Thema „Schöpfung bewahren“ Pfarrkirche
10.45 HE-LO Puppentheater für ca. 5 bis 9jährige „Mann und Frau im Essigkrug“
Workshops:
Fr. 14.00 Kindertanz-Workshop mit Mag. Else Schmid RUP
Fr. 15.00 bis 17.00 „Ein krummes Ding – die Banane“, Workshop für 9- bis 13-jährige.
Anmeldungen unter der Tel.:01 – 480 43 58
Sa. 15.00 bis 17.00 „Von der Kakaobohne zur Schokolade“, Workshop für 9- bis 13-jährige.
Anmeldungen unter der Tel.: 01 – 480 43 58
Regenwaldzelt : Fr. 10.00 bis 17.00 Uhr
Spielestationen: Fr. und Sa.: 15.00 bis 17.00 Uhr, betreut von den Pfadfindern
Buffett: Fr. und Sa.: 14.00 bis 21 Uhr, zugunsten eines Projektes der Kreuzwiesenschwestern
Versteigerung: Fr. um ca. 21 Uhr, Versteigerung eines Bildes der Malerin Traude Kling (siehe Titelseite)
An allen Tagen: Info-Tische, Tombola, personalisierte Briefmarke (Aquarell von Traude Kling, siehe Titelseite)
Eintritt frei – Änderungen des Programmes vorbehalten.
Die Augustsammlung der Caritas hat in unserer Pfarre ein Ergebnis von 1.078,57 € erbracht!
Vielen Dank für Ihre Spende!
Ein Wunder ist, wenn ein Brunnen den Boden fruchtbar macht, wo es bisher nur trockene Erde gab. Wenn eine Familie eine Ziege bekommt, um täglich Milch für ihre unterernährten Kinder zu haben. Wenn ein Getreidespeicher errichtet wird, wo es vorher keine Lagermöglichkeit gab. Mit Ihrer Spende können Sie jetzt notleidenden Menschen in Afrika, Asien und Afrika solche Wunder ermöglichen.
In Burkina Faso zum Beispiel leiden viele Menschen unter extremer Dürre. Wüste und Steppe breiten sich zunehmend aus. Die Bauernfamilien müssen um ihre Ernten bangen, denn die Hitze macht sie oft kaputt. Mitten in diesem vertrockneten Land können grüne Oasen entstehen. Mit Hilfe aus Österreich wird ein künstlicher See gegraben, in dem sich in der Regenzeit wertvolles Wasser sammelt – für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dieser so genannte “Bouli” sichert das Überleben vieler Familien.
In über 300 Projekten in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt die Caritas notleidende Menschen. Es braucht viele kleine und große Wunder, damit niemand mehr auf dieser Welt hungern müssen. Bitte, helfen Sie mit Ihrer Spende!
So können Sie helfen:
- Das Anlegen eines Boulis (Wasserspeichers) kostet 100.000 Euro.
Wenn 1.000 Menschen 100 Euro spenden, kann der Bau beginnen. Projektinfo
- Helfen Sie notleidenden Bauernfamilien, etwa im Südsudan, einen Acker zu bebauen.
Saatgut und Werkzeug kosten 25 Euro. Projektinfo
Caritas- Spendenkonto: PSK 7.700.004 (BLZ 60.000)
Kennwort: Augustsammlung
Ein Hinweis wäre auch wichtig, da es immer wieder zu Missverständnissen kommt: Klingelbeutel ist für die Pfarre, Caritassammlung am Ende der Messe für die diözesane Caritas.
Am 25. August startet nach der 8 Uhr-Messe die diesjährige Wallfahrt nach Mariazell.
Es besteht auch die Möglichkeit, am nächsten Tag in Rodaun anzfangen und in Heiligenkreuz die Wallfahrer von Dornbach zu treffen.
Für nähere Informationen bzw. zur Anmeldung wenden Sie sich bitte an
Ernst Schallar: 0664 2809 941
Am ersten Ferientag, dem 3. Juli 2010 trafen wir uns schon um sechs Uhr in der Früh am Dornbacher Pfarrplatz. Nach kurzen einleitenden Worten von P. Giovanni und einem Gebet machten wir uns mit dem Bus auf die 13-stündige Reise nach La Verna. Dort angekommen feierten wir die heilige Messe im Freien, aßen gemeinsam, wobei jeder die Reste seines Reiseproviants mit den Anderen teilte und ließen uns von zwei Schwestern über das Haus erzählen, in dem wir an diesem Abend übernachteten.
Die Wallfahrt führte uns in Tagesetappen von 25-30 km durch Monte Casale, Citta di Castello, Pietralunga, Gubbio, wo wir eine Klosterschwester des Klarissenklosters besuchten, und Biscina an unser langersehntes Ziel: Assisi.
Damit uns während dem Gehen niemals langweilig wurde versuchten wir uns immer zu beschäftigen. Die einen redeten mit ihren Freunden, andere sangen oder spielten Spiele, die beim Gehen möglich waren. Was mich immer wieder amüsierte, war unsere Freude über kleine Dinge wie einen Windstoß, einen Traubenzucker, eine Quelle, wo wir unsere Wasserflaschen nachfüllen konnten oder ein Geschäft, wo wir uns Eis kaufen durften. Am Größten war natürlich die Freude, wenn wir zu einem Fluss kamen wo wir hindurchgehen oder sogar schwimmen konnten und als wir das Quartier erreichten, wo uns die Benützung eines großen Pools erlaubt war. Schon von Weitem konnte man den Pool sehen, was natürlich ein enormer Ansporn war. Die letzten hundert Meter dorthin wurden im Laufschritt zurückgelegt.
Ich war begeistert wie viele Menschen freundlich zu uns waren und ihren Besitz mit uns teilten. Jeder lächelte uns an oder grüßte zurück, wenn wir ihn mit dem Ausruf “Pace et Bene” grüßten. Ein Erlebnis ist mir besonders in Erinnerung geblieben, bei welchem ein Mann aus seinem Haus kam, uns sah und daraufhin uns allen anbot unsere Flaschen aufzufüllen. Er warnte uns, dass es auf den nächsten Kilometern keine Wasserstellen mehr gibt und wünschte uns eine gute Reise. Verblüffend war für mich auch hier diese Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft eines Fremden.
Die Reise war für viele von uns nicht einfach. Von Anfang an hatten zwei Firmlinge ein Handicap, mit dem sie nicht imstande waren zu wandern. Nach und nach bekamen immer mehr Leute Verletzungen an den Knien, Blasen an den Füßen oder erkälteten sich, bis schließlich am Ende der Woche nur mehr zwei Drittel von uns zu Fuß gehen konnte.
Umso größer war die Erleichterung und das Gefühl es endlich geschafft zu haben als wir am Ende der Woche erschöpft in Assisi ankamen. Für die letzten Schritte bis zum Ortsschild mobilisierten alle noch ihre übrigen Kraftreserven.
In Assisi gingen wir in die Basilika und danach in Gruppen entweder gleich etwas Essen oder ins Quartier. Nachdem alle geduscht waren gingen die Einen Essen und die Anderen machten sich einen gemütlichen Abend.
Am nächsten Tag standen wir schon früh auf und besichtigten alle wichtigen Plätze in Assisi wie beispielsweise die Kirche von St. Clara und das Geburtshaus vom Hl. Franziskus. Bevor wir uns auf den Heimweg machten durften wir noch die Hl. Messe in einer Nebenkapelle der Basilika feiern. Um elf Uhr stiegen wir schließlich wieder in den Bus, mit dem wir gekommen waren und ich bin mir sicher, dass diese Woche jeden Einzelnen verändert hat.
Diese Woche war für mich zwar anstrengend aber sie hat mir persönlich viel gebracht. Das enge Zusammenleben mit den anderen Firmlingen, den größeren, die schon zum zweiten oder dritten mal mitgehen, P. Giovanni, P. Markus, und unseren Firmbegleitern Lukas, Anna und Ulli hat uns alle zusammengeschweißt und hat neue Freundschaften ergeben. Aber auch die Schweigezeiten während dem Gehen haben geholfen, da man währenddessen gut die Geschichten die wir über Franziskus gelesen hatten noch einmal Revue passieren lassen konnte.
Anna Leutgeb
Alles begann am ersten Ferientag um 6.00 Uhr früh mit einem Morgengebet in der Hauskapelle der Pfarre. Kurz danach saßen wir auch schon im Bus auf dem Weg nach La Verna, wo unsere Wallfahrt nach Assisi starten sollte.
Nach 15 stündiger Fahrt kamen wir in La Verna an. Dort stand ein wunderschönes neues Haus mit Garten. Es wurde momentan nur von zwei Schwestern betreut. Sie erzählten uns die Geschichte dazu und dass sie gegen freiwillige Spende Leute aufnehmen. Wir bekamen auch unsere Fragen über ihr Leben als Schwester beantwortet. P.Giovanni übersetzte. Nach der ersten Nacht auf der Isomatte konnte es losgehen. Wir trugen unser Gepäck zum Reisebus und bepackten unsere Rucksäcke mit Wasserflaschen, Heften und Blasenpflastern für den Tag.
Wir waren um die 30 Leute. Einige kannten sich noch nicht, aber bereits nach einigen Stunden schlossen sich die ersten Freundschaften.
Unser Weg führte oft über Waldwege, Straßen, Schotterstraßen, Berge, Täler, durch Flüsse, Dörfer und Städte. Insgesamt legten wir 160 km zurück und waren sieben Tage unterwegs. Wir übernachteten noch in Cerbaiolo, Sansepolcro, Citta di Castello, Pietralunga, Gubbio, Biscina und Assisi.
Gubbio war ein besonderer Ort. Auf einem Berg stand ein Kloster, das von Klarissen bewohnt und gepflegt wurde. Schwester Miriam erzählte uns von ihrem strengen Alltag im Kloster, wie sie dazu kam und ihrem Leben mit Gott. Das tat sie zu unserer großen Verwunderung hinter einem Gitter. Sie erklärte, dass das den Abstand zwischen uns und ihr bewahrt, damit Gott Platz hat.
Natürlich gab es mit Blasen übersäte Füße, viele Stiche und Bisse, schmerzende Knie und noch reichlich andere größere und kleinere Wehwehchen. Unser Begleitauto war somit immer gut gefüllt. Es war übrigens nicht nur sehr beliebt weil es den Luxus eines Motors hatte, sondern auch, weil es immer Mittagessen gab, wenn wir es am Weg trafen. In der Mittagspause lasen wir oft Texte aus unserem Heft und besprachen sie dann in kleineren Gruppen.
Wir bekamen auch manchmal Sprechverbot beim Gehen und davor eine Frage gestellt, über die wir nachdenken sollten. Das empfand aber niemand als Strafe, sondern eher als angenehm einmal nicht sprechen zu müssen, denn es war extrem heiß und das Gehen anstrengend. Auch wenn die Landschaft wunderschön war.
Zum Glück führte unser Weg an einem Fluss vorbei, in dem man sogar schwimmen konnte und wir kamen auch einmal in den Genuss eines Pools.
Unsere Abende verbrachten wir mit duschen, kochen oder essen gehen, einer Messe, Massagen und natürlich Blasen verarzten, für das man ein ganz großes Lob an unseren Begleiter Lukas aussprechen muss.
Samstagnachmittag kamen wir endlich in Assisi an. Auf Grund vieler Verletzter waren wir nur sehr wenige Pilger, aber es stellten sich trotzdem alle noch übrig gebliebenen Firmlinge in einer Reihe auf und überschritten gemeinsam die Grenze zu Assisi. Wie sie sich dabei gefühlt haben, kann ich nicht genau sagen, aber für uns Ex-Firmlinge war es schön zu wissen, dass man angekommen ist und dass es sich auf jeden Fall wieder gelohnt hat mitzufahren.
Den Abend durften wir noch selbstständig in Assisi verbringen. Am nächsten Morgen sahen wir uns zusammen die Santa Chiara, die Basilika des hl. Franziskus und sein Geburtshaus an. Wir feierten die Messe neben der Basilika. Danach setzten wir uns in den Bus und fuhren zurück in Richtung Wien.
Stellvertretend für alle Firmlinge und auch Nicht-Firmlinge möchte ich mich bei unseren Begleitern Uli, Anna, Lukas, P.Giovanni und unserem Mitpilger P.Markus bedanken! Für eure Begleitung, Unterstützung und die vielen Gespräche. Danke!
Anita Hofstetter
Predigt beim Gottesdienst für Juristen am Fest des heiligen Thomas Morus in der Kirche auf dem Schafberg in Wien am 22. Juni 2010
Diese Kirche ist in vielfacher Hinsicht eine Besonderheit. Die Geschichte einer Gottesdienststätte geht bis in die 30er Jahre zurück. Die Kirche hat die Nazijahre überlebt und ist bis heute unübersehbares Zeichen für Glaube, aber auch Recht und Gerechtigkeit. Eine Kirche, die auf die Eigeninitiative der Bevölkerung zurückgeht, motiviert von der legendären Gestalt des P. Petrus Grader OSB, dem früheren Pfarrer von Dornbach. All das ist bedenkenswert in einer Zeit, wo die Kirchen in Wien z.T. überzählig werden. Es war immer eine Kirche, in der sich die Jugend versammelt hat und von Anfang an Akademiker, Künstler, vor allem Juristen. Eine Personalgemeinde hier für die Gegend, eine kategoriale Gemeinde für Juristen über Generationen hinaus. Und der Patron war Thomas Morus, Lordkanzler, Humanisten, Jurist. Ich möchte einige Bezüge zu heute herzustellen.
1. Utopia Durch diese Schrift 1516 veröffentlich ist Thomas Morus unter anderem unvergesslich geworden. Er träumte von einer Insel namens “Nirgendwo” = Utopia, wo alles ganz anders zugeht. Der gesamte Besitz gehört der Gemeinschaft, niemand leidet Not. Wohl eine Anspielung auf einen sog. “Urkommunismus” der jungen Kirche. Eine Insel, mit einer eigenen Geschichte, Geographie, mit eigenartigen Gesetzen, einer anderen Sprache. Ein Gemeinwesen, in dem Gewissensfreiheit respektiert wird und Glaubensunterschiede keine Verurteilung erfahren. Vor allem aber ein Leben, nach Thomas Morus, das ganz auf Diskussion aufbaut. Könnte es eine solche Welt nicht wenigstens in Ansätzen geben?
Nun wissen Biographen, dass hinter diesem scheinbar idealen Bild doch ein gehöriges Maß von Ironie des Thomas Morus steckt, sich auch sein Humor verbirgt. Thomas Morus selbst war keineswegs immer tolerant, schon gar nicht gegen über der aufkommenden Reformation. Thomas Morus hätte weder als liberaler noch als Vorbild eines Katholiken Platz in unserem Jahrhundert, sagen seine Biographen, .Aber doch war Utopia ein hervorragender Anstoß zu Auseinandersetzung schon damals und eine gehörige Portion Kritik seiner Zeit.
Kein Platz für Utopien heute? Juristen müssen nüchtern in klare Formen bringen, was Recht ist und als solches zu beachten ist. Und dennoch wird uns vielleicht gerade in dieser Kirche bewusst, wie jede Zeit neu diskutieren muss, was unveräußerliches Recht ist, wer besonderen Rechtsschutz braucht, sich auch bewusst sein, dass das gesatzte Recht auch eine pädagogische Wirkung hat, und so das Rechtsempfinden im Volk mitprägt.
2. Ehe Die drei hier verehrten Heiligen haben alle ihr Leben hingegeben in der Verteidigung der Ehe. Makaber: sie haben alle dafür ihr Haupt verloren. Was kann denn das für eine moderne Auffassung und Rechtsprechung über Ehe, Partnerschaft, Familie bedeuten?
Für heute mahnt diese Kirche, dass Partnerschaft, eheliche Bindung, Weitergabe des Lebens zunächst zu den persönlichsten Entscheidungen von Menschen gehört, die des Schutzes bedürfen, aber auch Respekt fordern vor eigener Gewissenentscheidung. Zum anderen dass jegliche Form der Partnerschaft aber über das Intime, Privater hinaus auch maßgebliche Auswirkungen für das Zusammenleben in der Gesellschaft hat. Dass gerade in einer pluralen Gesellschaft, wo der gemeinsame Konsens über solche Fragen oft nur klein ist, Lösungen immer schwer sind, auch umstritten bleiben. Und dennoch wird grade hier durch die jeweilige Gesetzgebung gewissermaßen ein Werturteil gefällt. Gute Politik lebt von fair geführten Auseinandersetzungen, um jeweils das noch Bessere zu finden. Die Kirche insgesamt bietet sich immer wieder zu dieser Diskussion an. Will hervorkehren, was im Alltag der Politik unterzugehen droht, muss aber auch selbst lernbereit sein, wenn Lebensweisen sich verantwortungsbewusst verändern, Humanwissenschaften noch tiefer die Natur des Menschen in seinen existentiellen Zwecken offenlegen.
3. Kirche und Staat. Thomas Moros und John Fisher haben in dieser Konfrontation ihr Leben verloren. Ihre Grundsatztreue ist zu tiefst zu bewundern, ihre kompromisslose Haltung in einer damals so bewegten Zeit.
Das Verhältnis von Staat und Kirche ist immer der geschichtlichen Entwicklung unterworfen. Die erste Gottesdienststätte hier wurde 1934 ins Leben gerufen. Eine Zeit, wo Kirche und Politik unglücklich verquickt waren, Priester und Prälaten höchste politische Ämter innehatten. Rückblickend ist scharfes Urteil, wenn auch berechtigt, leicht. Jeweils im Jetzt sind Unterscheidungen viel schwerer. Wie werden künftige Generationen über unsere Haltungen, Entscheidungen urteilen. Sicher verdienen die Menschen von damals auch Respekt vor ihrer Gewissensentscheidung. Und doch sind wir heilfroh, dass dieses Verhältnis sich schon vor dem Krieg zu ändern begann. Heute gestehen sich Kirche und Staat ihre Unabhängigkeit zu. Und doch stehen beide im Dienst der Menschen, des Gemeinwohls, vor allem auch der Ärmsten im Lande und stehen auch im Dienst einer lebbaren Zukunft, die bedroht ist.
Gerade die Kirche müsste und will ein Vorbild sein für respektvollen Umgang miteinander, aber auch für Bereitschaft, voneinander zu lernen. Und dazu gehören immer auch die richtigen Personen. Petrus Grader war ein Priester, der das Gespräch mit Künstlern, Wissenschaftlern, Politiker gesucht hat und auch geduldig geführt hat. Und er hat sicher hier auch vor vielen Politikern in seiner Art gepredigt, sie zum Nachdenken herausgefordert. Ich erinnere mich besonders an den späteren Finanzminister Stefan Koren, der hier sogar Lektorendienst geleistet hat und P. Petrus gleichsam der “Hausseelsorger” der Familie war. Ich wünsche mir heute noch viel mehr Begegnungsmöglichkeiten zwischen Vertretern der Kirche und Politikern, aber auch der für das Gemeinwohl so wichtigen Juristen. Um auf das Bild des Evangeliums zu kommen: dieses Gespräch wird nicht nur konsensuell sein. Jesus fordert sogar zu einer entschiedenen Auseinandersetzung. Aber doch bei allen unterschiedlichen Meinungen, wird das Wort auf dem Glasfenster der drei Heiligen immer Geltung haben: Gewalt und Macht gehen niemals vor Recht und Wahrheit. Allen Formen der Gewalt ist zu wehren und um die tiefere Erfassung der Wahrheit ist gemeinsam zu ringen. Das gilt jeweils für beide Gesprächspartner aus Politik und aus Kirche. Keiner darf sich anmaßen, allein die volle Wahrheit zu haben. Sie liegt immer noch vor uns! Möge diese Kirche auch weiterhin zu Auseinandersetzungen herausfordern, was dem Menschen und dem Gemeinwohl am besten dient. Und mögen gerade Christen in den sensiblen Bereichen der Gesellschaft ihren Dienst mutig und glaubwürdig anbieten. Ein großer Dank allen, die gerade dazu die Tradition dieser Kirche aufrechterhalten.
Weihbischof Dr. Helmut Krätzl
Wie schon angekündigt, versuchten wir vom 27. bis 29 Mai vor Lebensmittel geschäften in unserer Pfarre Leute, die einkaufen gehen, anzusprechen und sie bitten, etwas mehr zu kaufen (nur haltbare Lebensmittel!) und uns dann zu übergeben. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen:
Ein grosser Tischtennis – Tisch, gehäuft voll mit Mehl, Zucker, Reis, Konserven aller Art, Kaffee, Teigwaren usw. und mindestens nocheinmal soviel in Bananen – Schachteln (Essig, Öl, Dicksäfte…) waren das Ergebnis (S. auch Fotos).
In den drei Tagen standen die Helfer vor einem Dornbacher Supermarkt in der Andergasse und baten die Einkaufenden um Hilfe. Die Grosszügigkeit der Dornbacher war überwältigend! Ich schätze den Gesamtwert der Spenden auf einige Tausend EURO! Das Echo war fast nur positiv.
Auch unsere Priester, P. Giovanni und P. Markus halfen kräftig mit, es ergaben sich immer wieder interessante Gespräche, auch über Religion allgemein und nicht nur über die Caritas.
Am Sonntag 30. Mai, nach dem Gottesdienst um 10:30 wurden die Lebensmittel an die Projektleiterin des Caritas – Projekt „Le + O“ weitergeben und gleich in einen Klein – LKW verladen. Alle Spender waren zur Übergabefeier eingeladen.
„Le + O“ steht für „Lebensmittel“ und „Orientierung“. An bestimmten Schwerpunkten Wiens (für uns ist die Pfarre Weinhaus 18., Gentzgasse 142, Di. von 10 bis 11,30h zuständig) werden an Menschen unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze zum symbolischen Preis von insgesamt 1 € Lebensmittel ausgegeben. Das „O“ steht für „Orientierung“: auf Wunsch kann auch eine kostenlose Beratung durch Sozialarbeiter der Caritas erfolgen. Details dazu können aus Plakaten und Handzettel, die in unse rer Pfarre aufliegen, ersehen werden.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die gespendet, gesammelt, verladen oder auch sonst irgen dwie mitgeholfen haben. Nachdem der Hunger leider nicht so schnell aus sterben wird, ist eine Wiederholung wahrscheinlich.
Roger Wüst