Liebe Dornbacher/innen,

in wenigen Wochen wählen wir einen neuen Nationalrat und haben die Möglichkeit mitzubestimmen über die Politik der nächsten Jahre. Wen soll ich wählen? Ich werde mich hüten, irgendwelche Empfehlungen auszusprechen,

vielleicht erlauben Sie mir aber, dass ich einige wenige Überlegungen mit Ihnen teile.

Grundlegend für eine Wahlentscheidung aus christlicher Perspektive könnten zwei Ansätze sein: 1. die Unterscheidung der Geister und 2. die katholische Soziallehre.

Zum Ersten:

Gelingt es mir, hinter marktschreierischen Ansagen und medialen Inszenierungen gewisser Politiker jene Konzepte ausfindig zu machen, die realistisch und vernünftig sind? Welche Parteien bieten ein Programm an, das den sozialen UND geistigen Zusammenhalt in unserem Land stärkt? Welche Parteien sind einem vorwiegend materiellen Denken verhaftet, wo hingegen stehen die Dimensionen des Menschseins im Vordergrund? Schließlich: Durch welche Politik wird das Friedensprojekt Europa umfassend gefördert?

Zum Zweiten:

Finden sich in den Parteiprogrammen wenigstens annähernd die Prinzipien der Katholischen Soziallehre wieder: Personalitäts-, Gemeinwohl-, Subsidiaritäts-, Solidaritäts- und Nachhaltigkeitsprinzip. Mit anderen Worten: Wie ist die Wechselwirkung von Freiheit und Würde des Einzelnen und dessen sozialer Verantwortung und Einbindung in die Gesellschaft ausgestaltet? Wie wird mit den ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen verfahren?

In Anlehnung an die Lehre des hl. Ignatius von Loyola habe ich mir vorgenommen, aus den mir wählbaren Parteien jeweils die Hauptschwäche herauszufinden, diese einander gegenüber zu stellen und im Ausscheideverfahren dann meine Wahl zu treffen. Denn laut Ignatius kommen von der Hauptschwäche her die meisten Turbulenzen und Verwerfungen. Bei der Hauptschwäche sollten wir daher am wachsamsten sein.  

Ihr Pfarrer Wolfgang Kimmel