Annakapelle, Dornbach

Die St. Anna-Kapelle, heute inmitten einer Schienenschleife der Straßenbahn Linie 43, hat eine äußerst wechselvolle Geschichte.

Als Votiv-Pestkapelle (aufgrund eines Gelübdes der Dornbacher während der großen Pestepedemie) als hölzerne Kapelle 1713 errichtet, wurde sie 1717 von Johann Karl Bartholotti Freiherr von Partenfeld mit Ziegeln ausgebaut und vergrößert. 1773 auf Initiative von Moritz Graf Lacy vergrößert, erhielt die Kapelle Chor und Glockenturm. Sie stand mit der Eingangsfront zur Straße. 1905 wurde sie wegen Baufälligkeit geschlossen und 1906 aus Verkehrsgründen abgetragen, um letztendlich 1908-1910 von Baumeister Johann Steinmetz um 90 Grad gedreht in „barocker Bauform“ wieder errichtet zu werden.Den kleinen neobarocken Saalbau ziert ein kleiner Turm mit einem Zwiebelhelm, die Nische des Volutengiebels nimmt eine steinerne Annenfigur „Anna Selbdritt“ auf – von Pietro Silvestro de Caradea 1720 geschaffen. Vor der Kapelle befindet sich die sogenannte „Kaisereiche“, 1910 zum 80. Geburtstag Franz Josephs I. gepflanzt.

Der schlichte, pilastergegliederte Saalraum mit Flachtonne hat östlich eine eingestellte Empore und einen korbbogigen Triumphbogen. Im fünfseitig gestalteten, von Engeln umrahmten Presbyterium dominiert über dem mit Emailschmuck versehenen Tabernakel das Altarbild der „Heiligen Sippe“ (1717), zu deren Ehren in Dornbach eine Bruderschaft bestand. Die figurenreiche Darstellung zeigt die Mutter Anna mit Maria in der Bildmitte, um sie im Kreis die Verwandtschaft. Von den Bildern – wahrscheinlich Votivgaben – ist eines besonders hervorzuheben: Jenes, das 1813 die Dornbacher Gemeinde stiftete: der topographische Wert des Bildes (nach Czeike) ist anzuzweifeln, da die Annakapelle nie den quergestellten Abschluß der Hauptstraße bildete. Ein Kastenbild hat ebenfalls die Darstellung der hl. Anna mit Maria zum Inhalt. Nach dem Krieg war die Annenkapelle Heimstatt des Gnadenbildes von Maria Brünnl bei Gratzen in Südmähren.

Eine Tafel im Vorraum erinnert an den unter der Patronanz von Bürgermeister Dr. Karl Lueger und Gräfin Anna Harrach-Lobkowitz stehenden Verein zum Kapellenumbau, der in den Jahren 1908 begann.

Zum religiösen Brauchtum gehören die Novene und feierlichen Messen zum Festtag am 26. Juli.