Orgelweihe Heiller-Orgel Dornbach
Schwerpunkt Anton Heiller

Paul Angerer
Der Weggefährte …

Auch mein musikalisches Leben begann mit der Orgel: 1940 (13jährig) Organist und Regens Chori an der Piaristenkirche St. Thekla; Continuospieler an der Orgel und am Cembalo (neben Konzertmeister mit der Violine) in der Rundfunkspielschau. 

Theorie studierte ich bei Friedrich Reidinger an der Hochschule, Violine und Klavier bei Franz Bruckbauer und Viola bei Hans Thern in der Musikschule. Im Keller der Musikschule in der Johannesgasse, während des nächtlichen Luftschutzdienstes unterwies Walter Pach den Autodidakten im Orgelspiel, mit Hans Ulrich Staeps musizierte ich mit der Blockflöte und Viktor Sokolowski lehrte mich das sensible Cembalospiel. Beide führten mich in die damals verbotene „Neue“ Musik ein: Hindemith, Hauer, Bartok, Strawinsky … Nach einem Jahr – vom September 1944 bis September 1945 Militärdienst und Gefangenschaft – war ich für den Aufbruch einer neuen Zeit vorbereitet.

Mein Kirchendienst bei St. Thekla ging weiter, beim Hochamt um 8 Uhr agierte ich als Regenschori, um 10 Uhr in „Maria Treu“ als Organist. Meine Improvisationen waren bei den Gläubigen nicht sehr beliebt.

Es bildeten sich Ensembles für Alte Musik – aber gleichzeitig entstand etwas explosives: Ein Trio fand sich zusammen, das vor allem die vergessene und neu entstehende Musik unserer Zeit zum Klingen brachte: Kurt Rapf, Anton Heiller und Paul Angerer.

Die Säle waren kalt, das Licht war schlecht, aber wir und die Zuhörer waren hungrig. Mit „Toni“ verband mich eine wahre Freundschaft. Wir spielten unsere Werke vierhändig um sie kennenzulernen. Unser erstes gemeinsames Auftreten war am 31. Jänner 1946 im Brahms-Saal: meine „Musik für Bratsche und Klavier“.

Am 15. Februar wurden wir für ein Konzert im Französischen Kulturinstitut eingeladen, wir spielten wieder die Musik für Bratsche – Wilhelm Furtwängler blätterte um. Der Betriebsrat der Wiener Symphoniker Karl Fiala engagierte mich als Substitut – so begann meine Karriere als Bratschist.

Im selben Jahr brachten Erna und Anton Heiller mein vierhändiges Klavierwerk „Annexus musicae cum ratione“ zur Uraufführung und nahmen es in der RAVAG auf. Heiller und ich spielten es bei meiner Reifeprüfung in der Akademie für Musik. Dem Vorstand der Prüfungskommission Rektor Joseph Marx gefiel diese „Verbindung der Musik mit der Vernunft“ gar nicht – vermutlich habe ich ihn in einem Pamphlet in der „Österreichischen Musikzeitschrift“ beleidigt. Ich wurde trotzdem zum „jungen, aufstrebenden Komponisten“.

Heiller und Rapf spielten meine „Mozart-Variationen“ sowie meine „Hausmusik“, diese im Salon Doblinger. Heiller brachte meine „Musica pro organo“auf der Orgel im Großen Saal des Musikvereins zur Uraufführung. Der Höhepunkt unseres gemeinsamen Musizierens fand bei einem Hauskonzert in den Räumen der Universal Edition statt. Wir spielten den „Annexus“. Da die Bläser für das vorgesehene Trio für Viola, Oboe und Fagott nicht eintrafen improvisierten Toni und ich eine ganze Sonate für Viola und Klavier. Es war einmalig.

Im Dezember 1946 trat Heiller bei 2 meiner Lieder auch als Sänger auf. Im September 1947 fand die denkwürdige Gesprächsrunde mit Paul Hindemith statt. Anwesend waren die jungen Komponisten Angerer, Schieske, Keller, Uhl und Heiller.

1953 nahm ich mit Heiller für Vox-Turnabout das Konzert für Orgel und Viola von Michael Haydn auf. In der Aufführung der 4 Konzerte op. 36 im Wiener Konzerthaus spielte ich das Violakonzert – Heiller leitete das Wiener Kammerorchester. Im Juni 1955 dirigierte ich im Konzerthaus meinen „Agamemnon“, im zweitenTeil Heiller seine „Psalmenkantate“.

1965 gastierte Anton Heiller als Organist in Bonn – für die abschließende Improvisation erbat er sich von mir das Thema. Das war wohl der Abschied …

Die „neue“ Dornbacher Orgel lernte ich (sehr gut!) als Continuospieler bei den Konzerten der Wiener Bach-Gemeinde unter Julius Peter kennen.