Orgelweihe Heiller-Orgel Dornbach
Schwerpunkt Anton Heiller

Peter Planyavsky
Mozartsaal - Dornbach

„Wien ist eine Orgelwüste.“

So in den Sechzigerjahren immer wieder verkündet von Egon Krauss, in jeder Hinsicht gewichtiger und einflussreicher Orgelkenner, zudem Freund und Förderer von Anton Heiller. Am Beginn ihres langen gemeinsamen Kampfes für die jeweils bessere Orgel standen gemeinsame Reisen in die Schweiz, nach Holland und Dänemark. 

Um 1955 nahm der dänische Orgelbau nach dem Urteil vieler den Spitzenplatz ein, und auch die österreichische Orgelszene nahm Anregungen von dort auf - so auch Gregor Hradetzky, Olympiasieger und Orgelbauer in Krems. Seine ersten Instrumente unter dänischem Einfluß waren auffällig; sie stehen in Gänserndorf, Hollabrunn und Lilienfeld. Aber „Wien ist eine Orgelwüste.“ Heiller sagt es wieder einmal, diesmal zu seinem siebzehnjährigen Orgelschüler P. P.; aber er setzt - vorsichtshalber noch immer mit trübem Gesichtsausdruck - fort: „Nur im Mozartsaal - da gibt es Hoffnung.“ 

Anton Heiller hatte schon lange auf die Verantwortlichen im Wiener Konzerthaus einredet; er plädierte für den Bau einer mittelgroße Orgel im mittleren Saal. Der bekannte Chorleiter Hans Gillesberger, Professorenkollege von Heiller, zog am selben Strick. Und eines Tages geht es ganz schnell: Gillesberger redet mit dem Konzerthaus-Generalsekretär Peter Weiser; Gillesberger fragt Hans Haselböck um Hradetzkys Telefonnummer; aber Hradetzky ist gerade in der Stadt und trifft sich sofort mit Weiser! Das Tempo dieser Begegnung im März 1964 ist noch nicht der Höhepunkt; bereits zehn Monate später, am 6. Jänner 1965 segnet Kardinal König die neue Orgel im Mozartsaal. Damit das geschehen konnte, wurden andere Orgelbauten um einige Monate verschoben.

Ein wenig Pionier- und Aufbruchsphase ist dabei, und das betrifft auch die Klanggestaltung. Der geniale und hochmusikalische Intonateur Herbert Gollini - seinerseits ehemaliger Orgelstudent Heillers - braucht gegen Ende der Arbeit Unterstützung, und so holt Hradetzky seinen Sohn Gerhard vorzeitig von seiner Gesellenzeit bei Rudolf Beckerath zurück. Beckerath war damals einer der führenden deutschen Orgelbauer, und es war abgemacht, daß er selbst die vier Zungenstimmen der Orgel intonieren sollte. Drei Stunden vor der Segnung der Orgel wurde er fertig.

Die Bedeutung dieses Instrumentes zum damaligen Zeitpunkt kann kaum überschätzt werden. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gab es in einem repräsentativem nicht-sakralen Raum eine Orgel, mit der - in gewissen Grenzen - ein beachtlicher Teil des Repertories dargestellt werden konnte. Angesehene Organisten konzertierten nun regelmäßig in Wien. Hans Haselböck schreibt denn auch im Programmheft zur Orgelweihe: „Der Neubau einer Orgel in einem Wiener Konzertsaal kommt, angesichts der Orgelsituation in unserer Stadt, einer Rehabilitierung dieses Instrumentes schlechthin gleich.“